Mit YouTube Geld verdienen: Wie viel 2026 drin ist

29. April 2025

Irgendwann stellt sich fast jeder, der ein paar Videos hochgeladen hat, dieselbe Frage: Kann aus diesem Kanal irgendwann Geld werden, und wenn ja, wie viel? Die ehrliche Antwort ist unbequemer als die Zahlen, die in manchen Clips herumgeistern. Sie hängt davon ab, ob du ins Partnerprogramm kommst, welche Formate du drehst, worüber du sprichst und wie viele Einnahmequellen du nebeneinander betreibst. Wir gehen das hier Schritt für Schritt durch, mit dem Stand von Ende September 2026 und einem Blick auf die Regeln, die ab Februar 2027 gelten.

Kurz vorweg: Was sich bis 2027 ändert

Am 10. August 2026 hat YouTube angekündigt, das Partnerprogramm umzubauen. Bis zum 31. Januar 2027 gelten die bisherigen Schwellen. Ab dem 1. Februar 2027 wird die Aufnahme in die Werbestufe für neue Kanäle deutlich anspruchsvoller. Wer jetzt plant, sollte also beide Stände kennen. Kanäle, die bereits dabei sind, behalten ihren Status. Die neuen Bedingungen müssen aber bis Ende Januar 2027 in YouTube Studio bestätigt werden.

Der Schlüssel zu allem: das Partnerprogramm

Das YouTube-Partnerprogramm, kurz YPP, entscheidet darüber, ob überhaupt Geld direkt über die Plattform zu dir fließt. Es besteht aus zwei Stufen, und Deutschland gehört zu den Ländern, in denen beide angeboten werden. Die erste Stufe öffnet Einnahmen von deinen Fans, die zweite bringt zusätzlich die Werbung dazu.

Stufe 1: Unterstützung durch Fans und Shopping

Für den Einstieg brauchst du im Moment:

  • 500 Abonnenten
  • drei gültige öffentliche Uploads innerhalb der vergangenen 90 Tage
  • dazu entweder 3.000 Stunden Wiedergabezeit in den letzten zwölf Monaten oder 3 Millionen Shorts-Aufrufe in den letzten 90 Tagen

Damit schaltest du Kanalmitgliedschaften frei, kannst Super Chat und Super Stickers in Livestreams nutzen, Super Thanks unter deinen Videos empfangen und YouTube Shopping einsetzen. Werbeeinnahmen gibt es auf dieser Stufe noch keine. Wichtig: Mitgliedschaften sind schon ab 500 Abos möglich und nicht erst ab 1.000, wie man es manchmal noch liest.

Stufe 2: Anzeigen und YouTube Premium

Für die Werbestufe gelten bis Ende Januar 2027 diese Werte:

  • 1.000 Abonnenten
  • entweder 4.000 Stunden Wiedergabezeit in den letzten zwölf Monaten oder 10 Millionen Shorts-Aufrufe in den letzten 90 Tagen

Ein Detail, über das viele stolpern: Stunden, die im Shorts-Feed zusammenkommen, zählen nicht zu den 4.000 Stunden. Die Stundenvariante erreichst du also nicht, indem du nur kurze Clips postest.

Was darüber hinaus passen muss

  • Dein Kanal hält die Monetarisierungsrichtlinien von YouTube ein.
  • Auf dem Kanal liegt keine aktive Verwarnung.
  • Für dein Google-Konto ist die Anmeldung in zwei Schritten eingerichtet.
  • Ein AdSense-Konto ist mit dem Kanal verknüpft, damit Auszahlungen bei dir ankommen.

Die neuen Hürden ab 1. Februar 2027

Wer ab diesem Datum neu in die Werbestufe aufgenommen werden will, muss bei Wiedergabezeit und Shorts doppelt so viel mitbringen wie bisher:

  • weiterhin 1.000 Abonnenten
  • 8.000 Stunden Wiedergabezeit in 365 Tagen oder 20 Millionen Shorts-Aufrufe in 90 Tagen

Dazu kommt eine Aktivitätspflicht. Um im Programm zu bleiben, reicht eines davon: 1.000 Stunden Wiedergabezeit in 365 Tagen, 1 Million Shorts-Aufrufe in 90 Tagen oder regelmäßige Uploads, genauer zwei lange Videos oder fünf Shorts je 90 Tage. Für Shorts-Erlöse gibt es außerdem eine eigene Grenze. Am Topf für Shorts wirst du nur in Monaten beteiligt, in denen dein Kanal in den vorangegangenen 90 Tagen mindestens 10 Millionen Shorts-Aufrufe gesammelt hat. Liegst du darunter, bleibst du trotzdem im YPP und verdienst weiter an deinen langen Videos.

Für Fan-Funding und Shopping ändert sich nichts: Einstiegsschwellen und Anteile bleiben, wie sie sind. Für kleinere Kanäle bleibt Stufe 1 damit der naheliegende erste Schritt.

Womit du auf YouTube Geld verdienen kannst

Einnahmen direkt über die Plattform

  • Werbung in langen Videos: Von den Anzeigenerlösen auf der Wiedergabeseite gehen 55 Prozent an dich.
  • Werbung in Shorts: Hier landen die Erlöse zuerst in einem gemeinsamen Creator-Topf. Von dem Anteil, der deinem Kanal daraus zugewiesen wird, bekommst du 45 Prozent, ganz gleich, ob Musik im Clip läuft. Musik verkleinert allerdings vorher deinen Anteil am Topf. Bei einem einzelnen Track geht die Hälfte an die Musiklizenzen.
  • YouTube Premium: Schauen Premium-Mitglieder deine Videos, erhältst du einen Teil der Aboerlöse. In den neuen Bedingungen nennt YouTube dafür 30 Prozent der Netto-Aboerlöse bei Premium und 60 Prozent bei Premium Lite.
  • Kanalmitgliedschaften: Fans unterstützen deinen Kanal über eine bezahlte Mitgliedschaft.
  • Super Chat und Super Stickers: Zuschauer bezahlen dafür, dass ihre Nachricht oder ihr Sticker im Live-Chat hervorgehoben wird.
  • Super Thanks: eine Art Trinkgeld, das jemand direkt unter einem Video dalassen kann.
  • YouTube Shopping: Du zeigst Produkte in deinen Videos und darunter.

Shopping-Affiliate: gerade im Anlauf

Beim Shopping-Affiliate bekommst du eine Provision, wenn Zuschauer über deine Videos Produkte anderer Händler kaufen. Voraussetzung ist die Aufnahme ins YPP mitsamt der Abo-Schwelle des Programms. Kanäle für Kinder und reine Musikkanäle bleiben außen vor. Hierzulande wird das Angebot schrittweise eingeführt: Laut heise ging es am 3. September 2026 mit zehn Händlern los. In der offiziellen Länderliste von YouTube fehlt Deutschland Ende September 2026 allerdings noch. Schau deshalb in YouTube Studio nach, ob die Funktion bei dir schon auftaucht.

Einnahmen neben YouTube

  • Sponsoring und Markendeals: Ein Unternehmen bezahlt dich dafür, sein Produkt in einem Video vorzustellen.
  • Externe Partnerprogramme: Du setzt Affiliate-Links in die Beschreibung und bekommst eine Provision auf Käufe darüber.
  • Eigene Produkte und Merch: vom Onlinekurs bis zum Hoodie mit deinem Logo.

Diese Wege funktionieren unabhängig vom Partnerprogramm. Gerade für Kanäle, die die Werbestufe noch nicht erreicht haben, lohnt es sich, sie früh mitzudenken.

RPM und CPM: zwei Kennzahlen, die du verstehen solltest

In YouTube Studio begegnen dir zwei Abkürzungen, die gern verwechselt werden. Der CPM beschreibt, was Werbetreibende für die Anzeigen bezahlen. Für dich zählt vor allem der RPM: Er zeigt, was dein Kanal pro 1.000 Aufrufe tatsächlich einnimmt, nachdem YouTube seinen Anteil einbehalten hat. In den RPM fließen neben der Werbung auch Mitgliedschaften, Premium, Super Chat und Super Stickers ein.

Abgerechnet wird übrigens nicht pro Klick auf eine Anzeige. Entscheidend sind Anzeigenimpressionen und Aufrufe. Wer seine Einnahmen einschätzen will, schaut deshalb auf den RPM im eigenen Studio und nicht auf Klickzahlen.

Wie viel verdient man mit YouTube? Spannen statt Versprechen

Eine feste Zahl gibt es nicht. Auswertungen von Drittanbietern zeigen aber, in welchen Bereichen sich der RPM typischerweise bewegt. Die folgenden Werte stammen aus solchen Analysen, sind in US-Dollar angegeben und können bei deinem Kanal deutlich nach oben oder unten abweichen.

Lange Videos nach Thema

  • über alle Themen hinweg meist etwa 2 bis 8 Dollar pro 1.000 Aufrufe
  • Finanzen: ungefähr 8 bis 20 Dollar
  • Technik: ungefähr 4 bis 8 Dollar
  • Bildung: ungefähr 2,75 bis 5,50 Dollar
  • Gaming: ungefähr 1 bis 3 Dollar

Shorts

Bei Shorts fallen die Beträge pro Aufruf viel kleiner aus. Üblich sind etwa 0,04 bis 0,15 Dollar pro 1.000 Aufrufe, in Deutschland und ähnlich starken Werbemärkten etwa 0,08 bis 0,20 Dollar. Grob gesagt bringt ein Shorts-Aufruf nur 3 bis 14 Prozent dessen, was ein Aufruf eines langen Videos einspielt.

Ein Rechenbeispiel zur Einordnung

Nimm an, du willst mit Werbung auf tausend Dollar kommen. Bei langen Videos mit einem RPM zwischen 2 und 4 Dollar wären dafür grob 250.000 bis 500.000 Aufrufe nötig. Mit Shorts und einem RPM zwischen 0,05 und 0,15 Dollar bräuchtest du rund 7 bis 20 Millionen Aufrufe. Das ist ein Beispiel zum Verstehen der Größenordnung, keine Zusage. Was bei dir tatsächlich ankommt, hängt von deinem Thema, deinem Publikum und deinem Mix aus Formaten ab.

Was deine Einnahmen am stärksten prägt

Thema und Zielgruppe

Die Spannen oben zeigen es deutlich: Ein Finanzkanal kann pro Aufruf ein Vielfaches dessen einspielen, was ein Gaming-Kanal erzielt. Der Grund liegt beim CPM, denn Werbetreibende bezahlen in manchen Themenfeldern mehr als in anderen. Auch der Standort deines Publikums spielt mit, wie die höheren Shorts-Werte für Deutschland zeigen. Das heißt nicht, dass du dein Thema nach dem RPM aussuchen solltest. Ein Kanal, den du nach drei Monaten satthast, bringt dir am Ende wenig.

Kurz oder lang

Shorts bringen viele Aufrufe, aber wenig pro Aufruf. Lange Videos sammeln die Wiedergabezeit, die du für die Stundenvariante des YPP brauchst, und spielen pro Aufruf deutlich mehr ein. Viele Kanäle kombinieren beides: kurze Clips, damit neue Leute dich entdecken, und längere Videos, bei denen sie dann bleiben.

Mehrere Standbeine statt einer Quelle

Wer nur auf Werbung setzt, hängt vollständig an Aufrufen und RPM. Mitgliedschaften, Super Thanks, Sponsoring, Affiliate-Links und eigene Produkte verteilen das Risiko. Manche davon stehen dir schon ab Stufe 1 oder ganz ohne Partnerprogramm offen, also lange bevor die erste Anzeige läuft.

Regelmäßigkeit

Mit der Aktivitätspflicht ab 2027 wird Kontinuität auch formal wichtig. Zwei lange Videos oder fünf Shorts pro Quartal sind kein hoher Anspruch, aber wer monatelang pausiert, muss die anderen Werte über Wiedergabezeit oder Shorts-Aufrufe erreichen.

So gehst du es praktisch an

  • Such dir ein Thema, zu dem dir auch nach fünfzig Videos noch etwas einfällt.
  • Plane lange Videos ein, wenn du über die Stundenvariante ins Programm willst, weil der Shorts-Feed dort nicht mitzählt.
  • Nutze Shorts als Schaufenster und verweise darin auf deine längeren Videos.
  • Richte die Anmeldung in zwei Schritten und dein AdSense-Konto früh ein, damit beim Erreichen der Schwelle nichts hängt.
  • Behalte deinen eigenen RPM in YouTube Studio im Blick, statt dich an Zahlen fremder Kanäle zu messen.
  • Denk über die Werbung hinaus: Stufe 1, Sponsoring und eigene Produkte kannst du früher angehen.
  • Wenn dein Kanal im YPP ist: Akzeptiere die neuen Bedingungen bis zum 31. Januar 2027.

Und was ist mit dem ersten Eindruck?

Am Anfang wirkt ein Kanal mit wenigen Abos und Aufrufen oft leerer, als er eigentlich ist. Manche Creator helfen dem ersten Eindruck deshalb mit einem Paket für Abos oder Aufrufe nach, zum Beispiel bei GoFollow. Das kann die Außenwirkung verbessern, ersetzt aber keinen der Schritte oben. Über die Aufnahme ins Partnerprogramm entscheidet YouTube nach eigenen Regeln, und was ein Kanal einbringt, hängt an deinen Inhalten und deinem Publikum.

Fazit: Lohnt sich YouTube 2026 noch?

Mit YouTube Geld zu verdienen, ist möglich, aber selten schnell. Bis Ende Januar 2027 gelten noch die bekannten Schwellen, danach wird der Weg in die Werbestufe für neue Kanäle länger. Die Unterstützung durch Fans bleibt dagegen unverändert erreichbar und ist für viele Kanäle der realistischere erste Schritt.

Wie viel am Ende herauskommt, hängt stark von Thema, Format und Publikum ab. Die RPM-Spannen zeigen, dass zwischen einem Gaming-Kanal und einem Finanzkanal Welten liegen können und dass Shorts pro Aufruf nur einen Bruchteil einbringen. Wer mehrere Einnahmequellen kombiniert, macht sich unabhängiger von einzelnen Zahlen.

Unser Rat: Starte mit einem Thema, das dich trägt, lerne deine eigenen Kennzahlen kennen und plane die Monetarisierung als Etappe auf einem längeren Weg. Wer das beherzigt, weiß wenigstens genau, woran er ist.